Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

O Jesu Christe, wahres Licht (eg 72)

Lied der Woche: 2. Sonntag nach Weihnachten

©Foto: Bonk/Olbrich

Kritische Rückfragen an das Wochenlied. Von Sylvia Bukowski

Die Wünsche, die das Lied an Jesus richtet, sprechen mir beim ersten Hören aus dem Herzen. Aber dann stellen sich mir doch 4 Fragen:

1. Dürfen wir das alles wirklich allein Jesus überlassen? Wie verhält sich sein Tun zu unserer Verantwortung? Was ist unsere Aufgabe im Blick auf Menschen, die sich in schädliche Gedanken und Verhaltensweisen verirren? Was setzen wir falschen Versprechungen entgegen, die Menschen verblenden und blind machen gegenüber der Wirklichkeit (Str. 2)? Haben wir nichts, womit wir den Schmerz „verwundeter Gewissen“ (Str. 3) nicht wenigstens lindern können?

2. Stimmt das Gegenüber, das dieses Lied konstruiert: Hier „wir,“ die Jesus schon kennen und damit scheint`s auf der sicheren Seite sind, und dort die, die „sich von uns (!) getrennt“ haben (Str. 5) und damit ihre Seligkeit riskieren (Str. 1)? Brauchen wir selbst denn nicht auch, worum Jesus hier im Blick auf die anderen gebeten wird? Noch grundsätzlicher: wie können wir vermeiden, dass unsere Fürbitten selbstgerecht wirken, als wüssten wir immer schon, was richtig ist?

3. Natürlich wünschen wir uns wahrscheinlich alle, dass Menschen (zurück) in unsere Gemeinde finden (Str. 5) Aber angenommen, sie kämen an einem normalen Sonntag: würden sie sich überhaupt wahrgenommen und willkommen fühlen? Oder sind die „Stammplätze“ alle schon besetzt?

4. Schließlich: Die Königsherrschaft Christi begründet keinen Absolutheitsanspruch der christlichen Kirche! Leuchtet das „wahre Licht“ Christi nicht auch außerhalb unserer Kirche? Und was bedeutet das für unser Verhältnis zu den anderen Religionen?

EG 72 gespielt auf Orgel und mit der Trompete auf youtube

Sylvia Bukowski, Januar 2014

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Ein Impuls zum Wochenlied von Sylvia Bukowski

 

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