Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Jesus Christus ist als Heil der Welt auch für die Kirche eine Zumutung

Andacht zur 1. These der Barmer Erklärung

©Foto: Holger Pyka

Wie kann ein Bekenntnis, das Christinnen und Christen vor 80 Jahren gegen den totalitären Machtanspruch des nationalsozialistischen Staates formulierten, der Kirche heute in einem ganz anderen Kontext Orientierung geben?

Andacht zu Barmen I (PDF)

Indem sie auf Jesus Christus als das eine Wort Gottes verweist und die Kirche zur Umkehr aufruft, sagte die Wuppertaler Superintendentin Ilka Federschmidt in ihrer Andacht über die erste These der Barmer Theologischen Erklärung vor der Landessynode am Samstagmorgen.

In der Gegenwart werde Jesus vor allem als Kulturfaktor und werteortientierter Mensch wahrgenommen. In seinem Anspruch als Heil der Welt sei Christus den säkularisierten Menschen der Gegenwart dagegen eine zu große Zumutung, sagte Federschmidt. Auch ihre Kirche scheine diesen Jesus als Christus zuweilen zu meiden. Ihn nicht als das einzige Wort Gottes zu verkündigen und in aller Ausschließlichkeit zu suchen, zu hören, zu glauben und zu befolgen, sei „Grund für so manche Anfälligkeit für andere, lebensfeindliche Mächte und vermeintliche Wahrheiten, Sachzwänge, Spielregeln und Realitäten“ – und, so Federschmidt, für so manche Schieflage in den Prioritäten kirchlicher Tagesordnungen. „Auf ganz andere Weise als die Mütter und Väter im Glauben vor 80 Jahren ringen wir mit uns selbst und unserem eigenen Glauben und Nichtglauben“, sagte sie.

In dieser Situation provoziere die erster These der Barmer Erklärung die Kirche zur Umkehr: Christus als „dem einen Wort Gottes die schöpferische Kraft zuzutrauen, uns eine neue und vielleicht eine ganz andere Kirchenkreatur werden zu lassen, die ihre Quelle bei ihm sucht und findet.“

In der erste These der Barmer Theologischen Erklärung wird Jesus Christus, wie er in der Heiligen Schrift bezeugt ist, als das eine Wort Gottes bezeugt, „das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben“.

Die Erinnerung an die Barmer Theologische Erklärung ist auch ein zentraler Beitrag der Evangelischen Kirche im Rheinland zum Themenjahr 2014 „Reformation und Politik“ in der Reformationsdekade. So beteiligt sie sich an einer Ausstellung, die der Kirchenkreis Wuppertal aus Anlass des 80. Jahrestages der Erklärung in der Gemarker Kirche erarbeitet hat. „Gelebte Reformation zwischen Widerstand und Anpassung“ ist der Titel der Ausstellung, die am 28. Mai 2014 eröffnet wird.

Pressemeldung der EKiR, 18. Januar 2014

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