Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Vom fragenden und vom bekennenden Glauben

Lied der neuen Woche (Letzter Sonntag nach Epiphanias): Herr Christ, der einig Gottes Sohn (eg 67)

Straßenimpression in Kigali, Ruanda; Foto: Hansueli Krapf / Wikipedia Commons

Sylvia Bukowski erzählt, wie es ihr mit dem „ehrwürdigen Bekenntnislied“ in Ruanda ergeht.

Strophe 3:
lass uns in deiner Liebe / und Kenntnis nehmen zu, / dass wir am Glauben bleiben, / dir dienen im Geist so, / dass wir hier mögen schmecken, / dein Süßigkeit im Herzen / und dürsten stets nach dir.

Ein starkes Bekenntnislied, das wahrscheinlich Vielen in deutschen Gemeinden fremd, und in manchen Aussagen auch fraglich erscheinen wird. Hier in Ruanda hat man mit ähnlichen Liedern kein Problem, und auch ich kann hier vom „sweet Jesus“ unbefangener singen als von Jesu „Süßigkeit“ (Strophe 3). Eine fremde Sprache schafft eben einen gewissen Abstand, der nicht nur in Kirchenliedern, den „Kitsch-Faktor“ erheblich senkt. (Man stelle sich nur manche amerikanischen Hits auf Deutsch vor!)

Eine ruandische Kollegin hat noch eine andere Erklärung für das unterschiedliche Empfinden. Sie unterscheidet zwischen einem „Bekenntnisglauben“, der in Afrika weit verbreitet ist und der das Heil in Jesus mehr beschwört als es zu verstehen versucht, und einem „fragenden Glauben“, der die traditionellen europäischen Kirchen prägt – ein Unterschied, der mir auch bei den homiletischen Übungen auffällt – und zu schaffen macht. Dabei frage ich mich nicht nur: wie weit kann ich an diesem Glaubensmuster rütteln, sondern auch: wie weit soll/darf ich es? Denn was wäre, wenn die existentiellen Fragen, die aus dem Genozid von 1994 hier entstanden sind, tatsächlich Raum fänden?

Andererseits: Muss ein „Bekenntnisglauben“ und ein „fragender Glauben“ wirklich ein Gegensatz sein? Ein Bekenntnisglauben ohne Fragen wird leicht zu einem gefährlichen Fundamentalismus, ein fragender Glauben ohne Bekenntnis verliert sich leicht in der Trostlosigkeit unserer Wirklichkeit.

Also auch mit Fragen weiter dieses ehrwürdige Bekenntnislied singen!

Das Lied der Woche auf YouTube

Sylvia Bukowski, Kigali, den 6. Februar 2014

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Ein Impuls zum Wochenlied von Sylvia Bukowski

Skizzen aus Kigali, Ruanda. Teil I. Von Sylvia Bukowski

In Ruanda unterricht Pfarrerin Sylvia Bukowski im Auftrag der Vereinigten Evangelischen Mission (VEM) einige Wochen lang angehnde Pastorinnen und Pastoren. Von ihren ersten Eindrücken aus Kigali erzählt sie in Gedichten:
 

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