Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Ein wahrer Glaube Gotts Zorn stillt

Lied der Woche vom Sonntag Estomihi: EG 413

von Sylvia Bukowski, z.Zt. in Ruanda

Verse 5 und 6:

Wie Gott lässt scheinen seine Sonn
und regnen über Bös und Fromm,
so solln wir nicht allein dem Freund
dienen, sondern auch unserm Feind.

Die Lieb ist freundlich (...)
verzeiht gutwillig alle Schuld.

Natürlich wissen wir, dass wir als Christen einander vergeben und sogar unsere Feinde lieben sollen. Aber selbst bei kleineren Kränkungen fällt es den meisten von uns nicht leicht, das Gebot Jesu zu halten. Warum eigentlich? Was macht es nach einem Streit so schwer die Initiative zur Versöhnung zu ergreifen und dem anderen zu vergeben? Die Angst, sich damit „etwas zu vergeben“, im Sinne von „das Gesicht zu verlieren?“ Selbstmitleid? Der Wunsch nach Rache?

Was immer es ist, solange wir unfähig sind zu vergeben, werden wir vor allem selbst aufgefressen von einem nagenden Groll, von vergifteten Gedanken.

Hier in Ruanda sind die Wunden nach dem Genozid tief. Die Erfahrungen der überlebenden Opfer sind traumatisch. Aber auch die Familien der Mörder müssen einen Weg finden, mit der Schuld ihrer Angehörigen und mit der Schande der ganzen Familie zu leben. Ich finde es bewundernswert, wie viele Menschen in dieser Situation Versöhnung suchen, wie viele Menschen bereit sind zu vergeben.

Annunziata, Leiterin eines Kirchenchores, die mehr als 50 Personen aus ihrer Verwandtschaft verloren hat, sagt, das Singen habe ihr geholfen, ihre Wunden zu heilen, den Hass auf die Mörder zu überwinden und nach vorn zu blicken. „Wenn ich von Gottes Gnade singe, kann ich alles vergessen und mit neuer Kraft mein Leben angehen.“ Seitdem höre und sehe ich die vielen Kirchenchöre hier mit anderen Augen. Ich ahne, warum sie mit solcher Inbrunst singen und aus der besungenen heilen Welt Gottes mit glänzenden Augen in das mühselige Heute zurückkehren.

Es gibt hier viele eindrucksvolle Zeugnisse von Vergebung und Versöhnung. Menschen, die begreifen, wie heilsam es für sie selbst und für die Gemeinschaft ist, zu vergeben und auf eine Gerechtigkeit zu bauen, die auch den Tätern neue Zukunft eröffnet.

Sylvia Bukowski, 28. Februar 2014

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Ein Impuls zum Wochenlied von Sylvia Bukowski

 

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