Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Osterlieder sind Wanderlieder

Mit Freuden zart zu dieser Fahrt - EG 108 am Sonntag Jubilate

ccFoto: Frank Vogt/freeimages.com

Ein Impuls von Sylvia Bukowski

„Mit Freuden zart zu dieser Fahrt lasst uns zugleich fröhlich singen...“ (Strophe 1)

Der Choral stammt von Georg Vetter. Er war Zeit seines Lebens auf großer Fahrt – aber nicht immer freiwillig. Er gehörte zu den Böhmischen Brüdern, die damals wegen ihres evangelischen Glaubens hart verfolgt wurden. Mehrfach mussten sie ihre Häuser und Kirchen aufgeben und Dörfer und Städte verlassen. Sie suchten Orte, wo sie bleiben und ihren Glauben frei und ohne Einschränkung leben konnten, wurden aber nicht selten abgewiesen.

Georg Vetter wusste also, dass das Leben kein Spaziergang ist, sondern bedroht, gefährdet, zerbrechlich. Trotzdem, oder gerade deswegen dichtet er ein Osterlied, das von Freude singt, die zart beginnt, aber dann „Lob und Dank mit freiem Klang“ ausbreitet (Strophe 3). Es soll ein Trost – und Trotzlied sein für seine Brüder (und Schwestern) der Gemeinde.

Uns erinnert Vetter daran, dass Osterlieder im Grunde Wanderlieder sind. Sie stärken zum Aufbruch, halten in Bewegung auf das große Ziel, das Gott in Aussicht stellt (Strophe 2), helfen, schwere Wegstrecken durchzuhalten und lassen müde und schmerzende Füße wenigstens eine Zeitlang vergessen.

Aber wer singt noch solche Lieder? Ich sehe die vielen verschlossenen Münder bei den zahlreichen Besuchern einer Osternacht in diesem Jahr vor mir, höre den äußerst schwachen Gesang einer großen Konfirmationsgemeinde und bin ratlos. Können oder wollen viele ChristInnen nicht mehr singen? Wie lässt sich der Schatz unserer alten und unter Tränen bewährten Lebenslieder bewahren?

 

Sylvia Bukowski, 11. Mai 2014

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Ein Impuls zum Wochenlied von Sylvia Bukowski

 

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