Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Ob du gleich hier musst tragen viel Widerwärtigkeit

Wochenlied EG 243 am Sonntag Kantate: Lob Gott getrost mit Singen

Impuls von Sylvia Bukowski

Oft wird die Frage gestellt, was die Kirche tun muss, um als Institution „zukunftsfähig“ zu bleiben. Nicht selten läuft es in der Antwort auch darauf hinaus, was sie künftig lassen muss: welche Aufgabenbereiche, welche Mitarbeiter, welche Gebäude. Die Kirche hat gegenwärtig viele „Widerwärtigkeiten“ zu tragen. (Strophe 1)

In dieser Situation wirkt das Wochenlied sehr seelsorgerlich. Es füllt die Aufforderung der ersten Strophe, trotz allem nicht zu verzagen, mit guten Gründen und spricht der „christlichen Schar“ einfühlsam zu, was sie so nötig braucht: Die Gewissheit, nicht auf verlorenem Posten zu stehen.

„Dich hat er sich erkoren!“ (Strophe 2) Für dich hat sich Gott entschieden. Du bist seine Auserwählte! Das wird der Gemeinde in diesem Lied ausdrücklich in Erinnerung gerufen, auch der kümmerlichen, oft bespotteten Gottesdienstgemeinde, die nur noch von zehn alten Frauen besucht wird. In Gottes Augen behält jede Gemeinde ihren Wert und ihre Würde.

Die folgenden Strophen klingen, als würden sie auf mögliche Zweifel, auf die „Ja, abers“ eingehen und bekräftigen: Gott bleibt bei seiner Wahl. Er kennt deine Schwäche, deine Verlassenheitsängste, dein Versagen und deine Anfechtung. Aber er steht in allem weiter zu dir. Besonders eindrücklich sagt es die 3. Strophe in Anlehnung an Jesaja 49,15: „Kann und mag auch verlassen ein Mutter je ihr Kind und also gar verstoßen, dass es kein Gnad mehr find`t? Und ob sich`s möcht begeben, dass sie so gar abfiel: Gott schwört bei seinem Leben, er dich nicht lassen will!“

Die 5. Strophe fasst zusammen: obwohl die Kirche oft in einem jämmerlichen oder auch bejammernswerten Zustand ist (voller „Jammer und Elend“), bereut Gott seine Wahl nicht. Aber er lässt sie nicht so wie sie ist. Er selbst wird sie „erneuen in dieser fährlichn Zeit,“ wird sie mit „Wort und Sakrament“ aufbauen, so dass sie allen Widerwärtigkeiten gewappnet ist.

Wie in einer guten Predigt, wie in guter Seelsorge hat die Ermutigung in diesem Lied das größte Gewicht. Ermutigung, die die Kirche dringend braucht, um „zukunftsfähig“ zu bleiben.

Sylvia Bukowski, 18. Mai 2014

 

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Ein Impuls zum Wochenlied von Sylvia Bukowski

 

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