Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Kirche und Staat bei Calvin

Ein Politiker, der mit grausamer Ungerechtigkeit regiert, muss gestürzt werden.

Jeremia trauert über die Zerstörung Jerusalems, Rembrandt (1630).

"Das Verhältnis der Kirche zu den weltlichen Fürsten und Mächten" - von François Dermange, Genf.

Oberstes Prinzip für Calvin ist die folgende Unterscheidung: «Die Erkenntnis der irdischen Dinge ist etwas anderes als die der himmlischen.» Auf der einen Seite Gott und sein Reich, die wahre Gerechtigkeit (die Rechtfertigung) und die Seligkeit des kommenden Lebens; auf der anderen Seite die Herrschaft des Fürsten (das weltliche Regiment) mit ihren menschlichen Realitäten, die Politik, die Wirtschaft und das philosophische Denken. Die Kirche soll sich deshalb im Prinzip nicht in die weltlichen, ebenso wenig die Politik in die kirchlichen Angelegenheiten einmischen.

Weder Meister der Theokratie noch Vater der Demokratie

Bei genauerer Betrachtung allerdings erweist sich Calvins Position als komplexer. Bekanntlich sahen einige in ihm den Meister der Theokratie, eines Regimes also, in dem die religiösen Autoritäten der Politik die Leitlinien ihres Handelns diktieren; andere wiederum, etwa diejenigen, die vor einem Jahrhundert das Genfer Reformationsdenkmal errichtet haben, erhoben ihn zum Vater der modernen Demokratie. Zweifellos ist beides falsch, aber es zeigt, dass Calvin in ganz unterschiedlichem Sinne interpretiert werden kann. >>> mehr als PDF

François Dermange, Professor in Genf

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