Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Amtsfrage zentrales Problem der evangelisch-katholischen Ökumene

Die Ökumene in einer ''Verlangsamungsphase''

Prof. Dr. Michael Bünker, Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich

GEKE-Generalsekretär Michael Bünker äussert sich im Fernsehinterview zum Stand der Ökumene, zum Amtsverständnis und zur Stellung der Kirchen zu Grundfragen des politischen Zusammenlebens.


„Religionen sind keine Produkte, die auf dem Markt konkurrieren“, so Michael Bünker, Generalsekretär der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE). In einem Fernsehinterview sprach sich der neue Bischof der lutherischen Kirche in Österreich jedoch für eine ehrliche Ökumene aus. Bedauerlich sei, dass sich in der Frage der Anerkennung der protestantischen Kirchen durch die römisch-katholische Kirche seit 40 Jahren nichts geändert habe. Die Ökumene sei in einer „Verlangsamungsphase“, so Bünker.

Das zentrale Problem in der Ökumene bleibt nach Michael Bünker das Amtsverständnis. Für Evangelische sei letztlich eine Position „unter dem Papst“ unvorstellbar. Die GEKE bereitet zur Verdeutlichung des evangelischen Amtsverständnisses zur Zeit ein Positionspapier vor. Darin werden neben grundsätzlichen Gedanken auch ökumenisch umstrittene Themen wie die Frauenordination berührt. Bünker: „Die Evangelische Kirche will attraktiv, offen und einladend sein. Menschen, die auf der Suche sind, sollen wissen, wofür die Evangelische Kirche steht“.

Bünker sprach sich gegen eine politische Instrumentalisierung von Religion und Kirche aus. Zudem sei es nicht Aufgabe der Kirchen, „im Spiel der Parteien Rat zu geben“. Zu Grundfragen des politischen Zusammenlebens dürften die Kirchen jedoch nicht schweigen, „denn auch wer schweigt, nimmt damit Stellung“. Im gesellschaftlichen Zusammenleben ortet Bünker ein „stärkeres Neben- und Gegeneinander“, die Kirchen wollten sich hingegen einsetzen für ein stärkeres „Mit- und Füreinander“. In diesem Sinne bedauerte Bünker auch, dass in der Integrationsdebatte zu oft die Sicherheitsfrage thematisiert würde. Vielmehr solle deutlicher werden, „dass Integration etwas ist, von dem wir alle profitieren“.
Wien, 4. Februar 2008

Quelle: Thomas Flügge, Pressesprecher der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) - Leuenberger Kirchengemeinschaft

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