Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Die Zehn Gebote

Der Dekalog: reformiert - lutherisch - katholisch

Joos van Gent, Mose mit den Zehn Geboten, 15. Jh. (Ausschnitt)

Eine kurze Einführung zur Entstehung der "Zehn Gebote" und eine tabellarische Aufstellung der unterschiedlichen Zählung der Gebote in den christlichen Konfessionen

Zur Entstehung der zehn Gebote – Eine kurze Einführung
Der Dekalog – griechischer Ausdruck (Zehnwort) – ist die wissenschaftliche Bezeichnung für die zehn Gebote.
Der Dekalog im Alten Testament (AT) kommt in zwei geringfügig abweichenden Fassungen vor. Wahrscheinlich ist die uns vertraute (Ex/2. Mose 20,2-17) gegenüber der aus dem Deuteronomium (Dtn/5. Mose 5, 6-21) die ältere.

Das Alte Testament nummeriert die zehn Gebote nicht. Es wird auch nirgends der Versuch gemacht, die zehn Gebote auf zwei Steintafeln zu verteilen. Die Lade Gottes wird als „Bundeslade“, d.h. als Behälter des (Sinai)Bundes-Gesetzes verstanden. Alleiniger Inhalt der zwei Tafeln sind nach Dtn/5. Mose 10,1-5 die „zehn Worte“. Die zwei Tafeln wiederum sind der alleinige Inhalt dieser Lade gewesen (1. Könige 8,9).

Der aus dem 1. Jh. v. Chr. stammende Papyrus Nash, die älteste direkte Bezeugung des hebräischen Dekalogtextes, bietet einen von den beiden alttestamentlichen Fassungen nur leicht abweichenden Mischtext.
Bei aller Unsicherheit der Entstehungsgeschichte des Dekalogs kann aber festgehalten werden:
Den Propheten des 8. und 7. Jh. v.Chr. ist der Dekalog zumindest in einer „Vorform“ bekannt. (Vgl. etwa Hosea 4,1f; Micha 2,2; Jeremia 7,9).

Das Besondere des Dekalogs in der biblischen Überlieferung
„Doppelte Überlieferung [2. Mose 20,2-17 und 5. Mose 5, 6-21], Vorordnung vor alle Gesetze, Unmittelbarkeit der göttlichen Mitteilung, Verschriftung durch Gott selbst, Urkunde des ‚Bundes’, bleibende Gültigkeit und unbeschränkter Geltungsbereich zeichnen den Dekalog vor allen anderen Mitteilungen Gottes in der Bibel aus.“ (M. Köckert, 18f.).

Unterschiedliche Nummerierung der Gebote
Die griechisch-orthodoxe und die evangelisch-reformierte Kirche verstehen Einleitung und Fremdgötterverbot als erstes Gebot, das Bilderverbot als zweites Gebot. Diese Zählung dürfte der Intention des alttestamentlichen Textes am ehesten gerecht werden. Die in der Tradition Luthers als neuntes und zehntes Gebot bekannten Worte sind dann als ein Gebot zu verstehen. Katholische und lutherische Kirchen folgen der Einteilung des Augustinus, die dieser im 4. Jahrhundert vornahm und führen 2. Mose 20,2-4 (Fremdgötter- und Bilderverbot) als 1. Gebot auf und begreifen 2. Mose 20,2.17 als zwei Gebote.

Reformiertes Verständnis der Gebote
Neben der Auslegung des Bilderverbots als einzelnes Gebot verschweigt reformierte Tradition auch die einleitende Worte zu den Geboten nicht. So heißt es im Heidelberger Katechismus, Frage 92: „Wie lautet das Gesetz des Herrn? – ‚Gott redete alle diese Worte: Ich bin der HERR, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir. (…)’“ Die Gebote sind eingebunden in die Geschichte Gottes mit seinem Volk. Erst befreit Gott Israel aus der Knechtschaft in Ägypten, dann gibt er ihm die Weisung zum Leben. Vgl. dazu auch Evangelium vor Gesetz, Gnade vor Gebot.

In der folgenden Tabelle werden die Gebote, wie sie in der jüdischen Tora (hebräisch: Weisung, Lehre), bestehend aus den fünf Büchern Mose (Genesis, Exodus, Levitikus, Numeri, Deuteronomium), vorkommen, der griechisch- orthodoxen und der evangelisch- reformierten Kirche (A) und den katholischen und lutherischen Kirchen (B) gegenübergestellt. 

Tora

A

B

Text

1.

 

 

Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft geführt hat. (Ex 20,2 und Dtn 5,6)

2.

1.

1.

Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. (Ex 20,3)
Du sollst keine andern Götter haben vor mir. (Dtn 5,7)

2.

2.

1.

Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem was oben im Himmel, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht. Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifernder Gott, der die Missetaten der Väter heimsucht bis ins dritte und vierte Glied an den Kindern derer, die mich hassen, aber Barmherzigkeit erweist an vielen Tausenden, die mich lieben und meine Gebote halten. (Ex 20,4-6 und Dtn 5,8-10)

3.

3.

2.

Du sollst den Namen des HERRN, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der HERR wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht. (Ex 20,7 und Dtn 5,11)

4.

4.

3.

Gedenke des Sabbattags, dass Du ihn heiligest. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Dinge beschicken, aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes; da sollst du kein Werk tun noch dein Sohn noch deine Tochter noch dein Knecht noch deine Magd noch dein Vieh noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist. Denn in sechs Tagen hat der HERR Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist, und ruhte am siebenten Tage. Darum segnete der HERR den Sabbattag und heiligte ihn. (Ex 20,8-11)
Den Sabbattag sollst du halten, dass du ihn heiligest, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebenten Tage ist der Sabbat des HERRN, deines Gottes. Da sollst du keine Arbeit tun noch dein Sohn noch deine Tochter noch dein Knecht noch deine Magd noch dein Ochse noch dein Esel noch all dein Vieh noch dein Fremdling, der in deinen Toren ist, auf dass dein Knecht und deine Magd ruhe wie du. Denn du sollst gedenken, dass du auch Knecht in Ägyptenland warst und der HERR, dein Gott, dich von dort ausgeführt hat mit einer mächtigen Hand und mit ausgerecktem Arm. Darum hat dir der HERR, dein Gott, geboten, dass du den Sabbattag halten sollst. (Dtn 5,12-15)

5.

5.

4.

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, gibt. (Ex 20,12)
Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, wie dir der HERR, dein Gott, geboten hat, auf dass du lange lebest und dass dir's wohl gehe in dem Lande, das dir der HERR, dein Gott, geben wird. (Dtn 5,16)

6.

6.

5.

Morde (töte) nicht! (Ex 20,13)

7.

7.

6.

Du sollst nicht ehebrechen. (Ex 20,14 und Dtn 5,17)

8.

8.

7.

Du sollst nicht stehlen. (Ex 20,15 und Dtn 5,17)

9.

9.

8.

Du sollst nicht Falsches gegen deinen Nächsten aussagen. (Dtn 5,20)

10.

10.

9.

Lass dich nicht gelüsten deines Nächsten Hauses. (Ex 20,17a)
Lass dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes. (Dtn 5,18a)

10.

10.

10.

Lass dich nicht gelüsten deines Nächsten Weibes, noch seines Knechtes noch seiner Magd, noch seines Ochsen noch seines Esels, noch alles, was dein Nächster hat. (Ex 20,17b)
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus, Acker, Knecht, Magd, Ochsen, Esel noch alles, was sein ist. (Dtn 5,18b)

Bearbeitete Quelle: Unsere Zehn Gebote – Homepage der EKD (PDF)
Literatur
Matthias Köckert, Die Zehn Gebote, Beck’sche Reihe, München 2007

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