Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Propst i.R. Heino Falcke zu den Barmer Thesen: ''Aus dem Glauben heraus Verantwortung für das Ganze''

''Die Freiheit der Kirche entscheidet sich an ihrer Auftragstreue''

UEK. Propst i.R. Heino Falcke hielt Vortrag beim Berliner Empfang der Union Evangelischer Kirchen (UEK) zu ''75 Jahre Barmen''

UEK (31.Mai 2009). Die Barmer Theologische Erklärung sei „die fundamentale und zentrale Orientierung für den Weg der DDR-Kirchen“ gewesen. Diese Auffassung vertrat der Theologe Heino Falcke in einem Vortrag, den der 80-Jährige am Pfingstsonntag auf dem Empfang der Union der Evangelischen Kirchen in der Evangelischen Kirche in Deutschland (UEK) im Berliner Dom hielt. Falcke unterstrich die „Kraft scharfer Unterscheidung“ der sechs Thesen. Die Besinnung auf Barmen habe dabei geholfen, sich als Kirche nicht vereinnahmen zu lassen in dem Dualismus „Kommunismus – Kapitalismus“.

In den evangelischen Kirchen in der DDR , so Falcke, sei der osteuropäische Staatssozialismus zum ersten Mal einer Kirche begegnet, die Religion nicht als Privatsache verstanden habe, sondern aus ihrem Glauben heraus Verantwortung für das Ganze der Gesellschaft wahrnahm und sich kritisch einmischte. Die Kirche musste damals „oftmals in scharfen Gesprächen“ darauf bestehen, dass es allein ihre Sache sei, zu definieren, was ein Gottes-dienst ist und dass auch politische Themen zur Bezeugung des Evangeliums gehören.

Der so behauptete „staatsfreie Raum der Kirche“ sei damit zum „Bereitstellungsraum“ ge-worden, von dem im Herbst 1989 die revolutionärer Bewegung ausging: „Durch ihre jahrzehntelange intensive Friedensarbeit hat die Kirche mitgeholfen, dass es eine gewaltfreie Revolution der Kerzen und Gebete wurde.“

Falcke verwies auch auf Erfahrungen, die den Weg der Kirche unsicher werden ließen: „Wo die Kirche sich Freiräume für ihre Existenz durch Abstriche an ihrem Auftrag erkaufte, wurde sie unfrei.“ Doch auch eine Kirche, die durch Staatverträge und bürgerliche Rechte alle Handlungsfreiheit hätte, könne unfrei werden: „Ihre Freiheit gewinnt die Kirche nicht vom Staat und verliert sie nicht durch ihn. Die Freiheit der Kirche entscheidet sich an ihrer Auftragstreue“, sagte Falcke in Anspielung an die sechste These von Barmen.

Hannover, 31. Mai 2009
Pressestelle der EKD
Reinhard Mawick

  • Twitter
  • Facebook
  • Google Bookmarks
 

Nach oben    E-Mail