Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Sterbehilfe? - Eine Orientierungshilfe der Evangelischen Kirchen in Europa

Orientierungshilfe zur medizinischen Sterbehilfe und zur Beihilfe zum Suizid

Die Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa GEKE veröffentlicht „A time to live and a time to die“, eine Orientierungshilfe zu Fragen am Lebensende, sowie parallel die Internetseite www.atimetolive.eu.

„A time to live and a time to die“ bietet eine Orientierungshilfe zur medizinischen Sterbehilfe und zur Beihilfe zum Suizid. Die Studie ist das Ergebnis eines intensiven Konsultationsprozesses der 105 GEKE-Kirchen in 30 Ländern auf der Grundlage eines Textes des Fachkreises Ethik der GEKE. Mit dem nun vorgelegten Dokument bringen die evangelischen Kirchen in Europa ihre Position in die Diskussionen um einen würdigen Umgang mit dem Lebensende ein.

„Es ist eine Stärke des Protestantismus in Europa, Differenzen ernst zu nehmen und zu Wort kommen zu lassen“, so GEKE-Präsident Thomas Wipf zur heute erschienenen Broschüre, in welcher sich erstmals die evangelischen Kirchen aus ganz Europa gemeinsam zum Thema äußern. „Das Dokument nimmt drängende Fragen auf und ermutigt die Kirchen, sich des Themas in ihrem Kontext intensiver anzunehmen.“

Die 104 Seiten starke Broschüre erörtert grundlegende Fragen des Sterbens im gesellschaftlichen, klinischen und juristischen Kontext. Aus theologischer und ethischer Sicht wird gefragt: Was ist das menschliche Leben? Worin liegt unsere moralische Verantwortung? Wie sensibel sind wir gegenüber dem Willen des Patienten? Dabei greift die Orientierungshilfe die zentralen medizinethischen Fragestellungen auf, etwa das Aussetzen lebensverlängernder Maßnahmen, die Palliativpflege, die Sterbehilfe und die Suizidhilfe.

Die GEKE-Kirchen setzen sich für den Schutz der Menschenrechte von Sterbenden und Sterbenskranken ein. Dies schließt das Recht auf ein Leben bis zum Ende und das Recht auf einen Behandlungsverzicht ein. Gleichzeitig wenden sich die Kirchen dagegen, das Prinzip der Autonomie gegen die Solidarität, Empathie und Sorge für die Kranken und Sterbenden auszuspielen.

Die GEKE-Kirchen wenden sich gegen eine theologisch-ethische Rechtfertigung von Sterbehilfe und Beihilfe zur Selbsttötung. Zugleich nehmen sie den Wandel der gesellschaftlichen Haltung gegenüber bestimmten Formen der Sterbehilfe und der Suizidhilfe wahr. Die Studie betont die Notwendigkeit, die sozialen, medizinischen und pflegerischen Rahmenbedingungen für ein würdiges Leben und Sterben zu verbessern. Dazu gehören ein Auf- und Ausbau von Hospizeinrichtungen und die Förderung der Palliativpflege in Theorie und Praxis.

Kirchliches Handeln orientiert sich an der Sorge um den Menschen. Die Orientierungshilfe ruft dazu auf, den Schutz des Lebens einzufordern, sich für würdige Bedingungen zum Leben und Sterben in Kliniken und Hospizen einzusetzen.

Zur Orientierungshilfe veröffentlicht die GEKE heute außerdem die Internetseite www.atimetolive.eu. Neben der Publikation selbst führen dort Texte aus verschiedenen Ländern und Kontexten in das Thema ein. Die Besucher sind eingeladen, aktiv mitzudiskutieren und zu kommentieren.

Alle Informationen, die Publikation sowie weitere Texte ab sofort auf www.atimetolive.eu.
Die Orientierungshilfe erscheint zunächst in englischer Sprache, die deutsche und französische Version folgen im Herbst 2011. 

>>> direkt zum PDF (Englisch)


Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa (GEKE) - Leuenberger Kirchengemeinschaft - Pressemitteilung, Wien, 16. Mai 2011
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Professor Dr. Körtner referierte über ''Zeit zu leben – Zeit zu sterben''

Die Tötung auf Verlangen lasse sich christlich nicht rechtfertigen, Therapieverzicht oder der Abbruch medizinischer Behandlung sei hingegen nicht nur ethisch akzeptabel, sondern manchmal geboten, erklärte Professor Dr. Ulrich Körtner von der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. „Weder aus rechtlicher noch auch christlicher Sicht haben wir das Recht, andere Menschen zum Leben oder Weiterleben zu zwingen, auch wenn wir alles dafür tun und ihnen helfen sollen, die kostbare und einmalige Gabe des Lebens zu achten“, so Körtner.
 

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