Zum Glauben gehört auch Wissen

Für reformierte Christen gibt es keine Instanz, die festlegt, was zu glauben ist. Was gelehrt und gepredigt wird, soll im Einklang mit der Bibel stehen. Darauf zu achten ist auch die Aufgabe jedes Gemeindemitglieds. Ein hoher Anspruch!

"Wahrer Glaube ist nicht allein eine zuverlässige Erkenntnis durch welche ich alles für wahr halte, was uns Gott in seinem Wort offenbart hat, ..." Der Heidelberger Katechismus (Frage 21) betont die Wichtigkeit des Wissens für den Glauben. Jedes Gemeindemitglied sollte so viel wie möglich wissen, damit es seinen Glauben begründen und weitergeben kann.

In der aktuellen Situation wird das aus verschiedenen Gründen wieder wichtig: Der christliche Glaube steht zunehmend in einem Wettbewerb mit anderen Religionen und Glaubensrichtungen und sieht sich den Fragen und Verdächtigungen kritischer Mitmenschen ausgesetzt.

Deshalb ist es wichtig, den 
D i s k u r s  über Glaubensfragen und theologische Zusammenhänge in den Kirchen zu beleben und sich in weltanschauliche Diskussionen einzubringen. Zu diesem Zweck haben wir einen BLOG eingerichtet. (gr)

Der Islam in Deutschland

Informationen zu islamischen Verbänden, Gemeinschaften, Vereinen und statistische Angaben zum muslimischen Leben in Deutschland

Erster Platz des Integrationspreises 2010: "Kinder- und Jugendfußball für Bad Godesberg"; Foto (Detail): © Michael Bause / Deutsche Islam Konferenz

zusammengestellt von Beate Sträter, Bonn,
Beauftragte des Reformierten Bundes für das christlich-muslimische Gespräch

I. Wie ist der Islam organisiert?

Islamische Vereine und Organisationen finanzieren sich weitgehend durch Mitgliedsbeiträgeund Spenden, zum Teil auch durch eigene ökonomische Aktivitäten. Diese richten sich meist an die Bedürfnisse hier lebender Muslime aus, wie z.B. Lebensmittelläden, Buchläden, Kleidung für Frauen, Reisebüros, in denen u. A. die Pilgerfahrt organisiert wird, Banken und Versicherungen und auch Bestattungsunternehmen, die mit relativ niedrigen Familienversicherungen die Überführung und Bestattung hier verstorbener Muslime in die Türkei organisieren. Alle Arbeiten werden ehrenamtlich verrichtet, wenn die Gemeinde sich eine Imam leisten kann, muss sie ihn selbst finanzieren (mit Ausnahme der DITIB, s.u.).

Anders als die Kirche und z.B. die jüdische Religionsgemeinschaft ist der Islam in Deutschland bisher nicht als Körperschaft öffentlichen Rechts anerkannt. Ein entscheidender Grund dafür ist, dass in Deutschland, orientiert an den christlichen Kirchen, ein bestimmter organisatorischer Rahmen für eine Religionsgemeinschaft für die Anerkennung als selbstverständlich, ja notwendig angesehen wird. Dies ist im Islam ursprünglich nicht der Fall. Es gibt keine mit der Kirche vergleichbare Institution, damit verbunden auch nicht die Vorstellung von Mitgliedschaft in der Art, wie wir sie kennen. Für Muslime ist es also auch von ihrem Selbstverständnis her nicht notwendig, Mitglied in einem bestimmten Moscheeverein zu sein, um ihren Glauben zu leben.

Hieraus resultieren verschiedene Probleme, z.B. bei der Einführung eines islamischen Religionsunterrichts, der nach der Verfassung in Verantwortung der jeweiligen Religionsgemeinschaft angeboten wird. In den letzen Jahren haben die Verbände versucht, darauf in verschiedener Weise zu reagieren, z.B. durch die Gründung von Landesverbänden oder auch durch den bundesweit agierenden Koordinationssrat der Muslime in Deutschland (KMD), ohne dass es dadurch zu einer grundsätzlichen Lösung in dieser Frage gekommen wäre.

Der organisierte Islam in Deutschland hat ein breites Spektrum. Dieses soll mit den wichtigsten Strömungen und Verbänden im Folgenden dargestellt werden.

I.2. Islamische Verbände in Deutschland

Die ersten Vereine entstanden bereits im 19. Jahrhundert. Eine intensivere islamische Organisationsbildung fand jedoch erst im Zuge der Arbeitsmigration aus der Türkei (ab 1961), aus Marokko (ab 1963) und Tunesien( ab 1965) statt.
Die Migranten orientierten und orientieren sich bis heute weitgehend am religiösen Spektrum der Herkunftsländer. Hiervon sind in Sprache und Kultur auch die Moscheevereine geprägt. Gerade zu Beginn der Arbeitsmigration gab es einen starken Bezug zum Heimatland, in das man nach Beendigung der Tätigkeit in Deutschland zurückkehren wollte.

DITIB ( Diyanet Isleri Türk Islam Birligi) /Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion)
Die DITIB wurde 1982 in Berlin und 1984 in Köln gegründet, als der vom türkischen Staat gesteuerte religiöse Großverband. Sein Sitz ist in Köln, derzeitiger Vorsitzender ist Ali Dere.
Es handelt sich dabei um die Auslandsorganisation des türkischen Religionsministeriums DIB (Dianet Isleri Baskanligi/ Präsidium für Religionsangelegenheiten).
Die Gründung der DITIB kann verstanden werden als Antwort des türkischen Staates darauf, dass sich die oppositionellen Strömungen in Deutschland freier entfalten konnten als in der Türkei und ihr mit der Gründung von Moscheevereinen breite Aktivitäten entwickelten.
Sie ist die Organisation, in der sich diejenigen organisieren, die sich dem in der Türkei vertretenen Laizismus verbunden fühlen und Religion auf den Raum des Privaten beschränken wollen.
Nach eigenen Angaben verfügt sie über 896 Ortsgemeinden mit 130.000 Mitgliedern und stellt damit die größte islamische Organisation in Deutschland dar.
Die Imame der DITIB werden in der Türkei ausgebildet und dann vom Religionsministerium für drei bis fünf Jahre nach Deutschland geschickt, vergleichbar den deutschen Auslandspfarren. Dies hat für die Gemeinden den Vorteil, dass sie einen Geistlichen vom türkischen Staat gestellt bekommen. Sie müssen allerdings für seine Unterbringung und auch für alle weiteren Kosten des Moscheevereins selbst aufkommen.
Problematisch dabei ist, dass die Imame oftmals nur über mangelnde deutsche Sprachkenntnisse verfügen (auch wenn hier in den letzten Jahren das Anforderungsprofil deutlich erhöht wurde), mit dem Leben der Muslime in Deutschland und den damit verbundenen Problemen nicht ausreichend vertraut sind und nach Ablauf ihrer Amtszeit in die Türkei zurückkehren müssen.
Ein weiteres Problem: Auch im Zusammenhang mit der Frage nach islamischem Religionsunterricht ist immer wieder der Vorbehalt geäußert worden, dass hier ein türkischer Islam in einem türkisch-nationalistischen Sinn verbreitet wird und die sich in Deutschland verfestigende Lebenssituation der Migranten nicht ausreichend wahrgenommen wird. Dies zeigt sich u.a. auch daran, dass die Freitagspredigten aus der Türkei vorgegeben werden.

Homepage: www.ditib.de

IGMG (Islamische Gemeinschaft Milli Görüs)
Die IGMG wurde 1976 als Dachverband gegründet und verfügt nach eigenen Angaben über 514 Moscheevereine (davon 323 in Deutschland) mit 87.000 Mitgliedern. Es gibt verschiedene Zusammenschlüsse auf Ländereben, in denen die IGMG stark ist. Dies ist z.B. die Islamische Föderation in Berlin, Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Baden-Württemberg Bayern und NRW.
Derzeitige Vorsitzender ist Kemal Ergün, der Sitz ist in Kerpen.
Sie repräsentiert die stärkste sunnitisch geprägte Opposition gegen den türkischen Laizismus.
Die IGMG wurde in den vergangenen Jahren verschiedentlich in Verfassungsschutzberichten erwähnt und als extremistisch eingestuft, u.a. weil sie in ihren Buchläden türkische Schriften mit antisemitische Inhalten verbreitete. Mittlerweile wird sie nicht mehr als verfassungsfeindlich, sondern als integrationsfeindlich eingestuft. Ob dies heute noch zutreffend ist und was konkret mit diesem Begriff gemeint ist, bleibt zu hinterfragen.
Bei ihrer Gründung war die IGMG politisch-ideologisch eng mit der islamistischen Refah-Partei Necmettin Erbakans verbunden. Nach der Aufspaltung der Nachfolgeparteien der Refah (eine davon ist die Partei des amtierenden türkischen Ministerpräsidenten Erdogan) zeichnen sich auch innerhalb der IGMG verschiedene Strömungen ab, so dass ein differenzierter Blick nötig ist.
Die IGMG-Vereine sind meist sehr gut organisiert und verfügen über ein breites Angebot im religiösen, sozialen und kulturellen Bereich. Sie erreichen auch viele Jugendliche, für die sie attraktive Angebote machen.

Homepage: www.igmg.de

VIKZ (Verband islamischer Kulturzentren)
Der VIKZ ist seit 1973 in Deutschland als Verband organisiert. Sein Sitz ist in Köln, Vorsitzender ist Mustafa Imal. Er repräsentiert die drittgrößte türkisch-islamische Strömung in Deutschland. Ihm gehören über 300 Moscheevereine in Deutschland an, darüber hinaus betreibt der Verband auch zahlreiche Schülerwohnheime.
Der VIKZ repräsentiert eine mystische Strömung des Islam, die in der Türkei offiziell verboten ist. Sie geht hervor aus einer sunnitisch-hanafitische Erneuerungsbewegung um Süleyman Hilmi Tunahan im Umfeld des Sufismus, insbesondere des Nakschbandiya-Ordens und entstand in den 1920er Jahren in der Türkei als Gegenbewegung zum Kemalismus.
In Deutschland wurde der VIKZ schon sehr früh mit Korankursen und der religiösen Betreuung von türkischen Arbeitsmigranten aktiv. Zur religiösen Praxis gehören mystische Meditationen (thikr) und intensives Koranstudium. Theologisch vertritt der VIKZ einen eher konservativen, aber nicht politisch orientierten Islam. Der VIKZ war bis zum Jahr 2000 stark in den Dialog eingebunden, nach einem Führungswechsel fand für einige Jahre eine stärkere Rückbesinnung nach innen statt, dies hat sich in den letzen Jahren allerdings wieder verändert.

Homepage: www.vikz.de

Alevitische Gemeinde Deutschland (AABF)
Die Alevitische Gemeinde Deutschland (AABF) ist der Dachverband der alevitischen Vereine. Es gibt davon in Deutschland 96 Vereine mit 12.000 Mitgliedern. Die AABF etablierte sich Anfang der 1990er Jahre.
Der Ursprung des Alevitentums liegt im 14/15. Jahrhundert, entstammt einer mystischen Richtung des Islam( Safawiya), die sich im 16.Jhdt. in der Dynastie der Safawiden (Iran) weiterentwickelte. Stark vertreten sind Aleviten hauptsächlich in Zentralanatolien, ein Drittel der Aleviten sind kurdisch, seit den 1950er Jahren gibt es zunehmend Aleviten auch in den Städten. In der Türkei machen die Aleviten ca. 20% der Bevölkerung aus. Dabei handelt es sich um eine Glaubensrichtung, die aus dem Schiitentum hervorgegangen ist und die einige grundlegende Regeln des Islam, wie Fasten, Alkohohlverbot, Trennung von Männern und Frauen beim Gottesdienst ablehnt. Sie beten nicht in einer Moschee, sondern in einem Cem- Haus. Aleviten haben ein eigenes Koranverständnis und erkennen die Scharia nicht an. Manche von ihnen verstehen sich nicht als Muslime, von orthodoxen Muslimen werden sie auch nicht als solche anerkannt. Sie sind deshalb in der Türkei immer wieder den Versuchen von Zwangssunnitisierungen ausgesetzt gewesen.
Eine starke Rückbesinnung auf die alevitische Identität fand seit den 1980er Jahren insbesondere in den Zuwanderungsländern statt.
Der AABF  ist als Religionsgemeinschaft anerkannt, deshalb gibt es mittlerweile auch in bisher 8 Bundesländern einen eigenen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen.

Homepage: alevi.com.de

Weitere muslimische Vereine:

Manchmal unter dem Stichwort „Islam der ethnischen Minderheiten „ gefasst, sind hier eine Vielzahl von regional unterschiedlich stark vertretenen Vereinen oder auch kleineren, bundesweit agierenden  Zusammenschlüssen zu nennen, die sich insbesondere nach ethnischer Herkunft und dementsprechender religiöser Ausrichtung unterscheiden. Sie treten in der Wahrnehmung häufig etwas in den Hintergrund, da sich die Aufmerksamkeit auf die zahlenmäßig starke Gruppe türkischstämmiger Muslime konzentriert:

Marrokanische Moscheevereine
Ähnlich wie aus der Türkei, kamen im Zuge der Arbeitsmigration auch viele Menschen aus Nordafrika, insbesondere aus Marokko, nach Deutschland. Schätzungsweise leben 180.000 Muslime mit marokkanischem Ursprung in Deutschland, ca.140.000 von ihnen haben die deutsche Staatsangehörigkeit (siehe Studie DIK). Auch sie gründeten früh Moscheevereine. Anders als im türkischen Spektrum haben sich diese Vereine jedoch lange nicht in einem Dachverband zusammengeschlossen. Im Jahr 2008 gründete sich der Zentralrat der Marokkaner in Deutschland (ZMaD) mit Sitz in Leverkusen. Bundesweit sind bisher 47 Gemeinden Mitglied.

Bosnische Muslime
Bosnische Muslime kamen sowohl als Arbeitsmigranten, als auch als Bürgerkriegsflüchtlinge aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland. Im 1994 gegründeten Dachverband IGBD sind 61 Gemeinde zusammengeschlossen, ihr Vorsitzender ist Mustafa Klanco, der Sitz ist in Köln.
Mit dem bosnischen Islam kam eine Variante des Islam nach Deutschland, die eine lange europäische Tradition hat.

Schiiten
Die meisten Schiiten in Deutschland kommen aus dem Iran, andere aus arabischen Ländern, Pakistan, Afghanistan oder dem Nahen Osten. Insgesamt machen sie etwas mehr als 7% der Muslime aus. Die größte Gruppe unter ihnen bilden die Schiiten aus dem Iran. Viele von ihnen sind nach der iranischen Revolution nach Deutschland geflohen und haben im Vergleich zu anderen muslimischen Gruppen häufig eine geringere religiöse Bindung.
Das spirituelle Zentrum der Schiiten in Deutschland ist das Islamische Zentrum in Hamburg.
Seit 2009 besteht als Dachverband mit Sitz in Berlin die „Islamische Gemeinschaft der Schiitischen Gemeinden Deutschlands“ (IGS) derzeitiger Vorsitzender ist Seyyed Mohammad Amer Naqawi.

I.2. Spitzenverbände

Ein grundlegendes Problem bei der Gründung eines einheitlichen Spitzenverbandes liegt in den heimatlandbezogenen Gegensätzen zwischen DITIB auf der einen Seite und IGMG und VIKZ auf der anderen Seite. Diese erschweren die Bildung einer einheitlichen muslimischen Repräsentanz unter Beteiligung der drei größten Organisationen.
VIKZ und IGMG beteiligten sich seit Mitte der 1980er Jahre an der Gründung islamischer Spitzenverbände.

Islamrat (IRD)
Der VIKZ beteiligte sich 1986 zunächst an der Gründung des Islamrats, zog sich daraus 1988 zurück und wandte sich der Vorform des Zentralrats der Muslime, dem Islamischen Arbeitskreis zu, dem damals auch die DITIB angehörte.
Der Islamrat umfasst bis heute 37 Verein und 40-60.000 Mitglieder.
Stärkster Verband ist die IGMG mit ihren Unterorganisationen sowie die Jama‘at un-Nur und viele kleinere Einzelorganisationen.
Der Sitz ist in Köln, Vorsitzender ist Ali Kizilkaya.

Homepage: www.islamrat.de

Zentralrat der Muslime (ZMD)
Der ZMD wurde1994 gegründet und ging hervor aus dem Islamischen Arbeitskreis.
Vorsitzender ist seit 2010 Aiman Mazyek, der Sitz ist Köln.
15.-20.000 Mitglieder, multiethnisch, stärker arabisch geprägt. Er bildet ein Gegengewicht zum türkisch dominierten Islamrat und zur DITIB. Bis 2000 war auch der VIKZ Mitglied.

Homepage: www.islam.de

Koordinationsrat der Muslime in Deutschland (KRM)
Der KRM wurde im April 2007 gegründet, angestoßen durch die vom damaligen Innenminister Schäuble 2006 ins Leben gerufenen Deutsche Islamkonferenz (DIK)

Homepage: www.deutsche-islam-konferenz.de

Im KRM vertreten sind die Dachverbände DITIB, Islamrat, Zentralrat der Muslime und der VIKZ. Der Sprecher wechselt halbjährlich. Der Gründung des KRM wurde von politischer Seite zurückhaltend begegnet, da immer noch die Frage der Repräsentanz angesichts der großen Anzahl der nicht in Moscheevereinen organisierter Muslime besteht.

II. Islam in Deutschland in Zahlen

Quelle der statistischen Angaben: Muslimisches Leben in Deutschland, 2009.

Im Auftrag der Deutschen Islamkonferenz und des Bundesamtes für Flüchtlinge. Vollversion und Zusammenfassung sind zu finden auf der Seite der Deutschen Islamkonferenz (www.deutsch-islam-konferenz.de unter dem Menüpunkt Dokumente).

II.1. Muslimischer Bevölkerungsanteil

Die Studie „Muslimisches Leben in Deutschland“ ergibt, dass zwischen 3,8 und 4,3 Millionen Muslime in Deutschland wohnen.
Zum Vergleich: Die Gesamtbevölkerung in Deutschland beträgt insgesamt ca. 82 Millionen Menschen. Der Anteil der Muslime an der Gesamtbevölkerung liegt damit zwischen 4,6 und 5,2 Prozent.
Rund 45 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime mit Migrationshintergrund aus den berücksichtigten Herkunftsländern sind deutsche Staatsangehörige, rund 55 Prozent verfügen über eine ausländische Nationalität.

II.2. Repräsentanz durch Verbände

Weniger als 25 Prozent der Muslime fühlen sich ohne Einschränkung von den in der DIK (Deutschen Islam Konferenz)  vertretenen islamischen Dach- und Spitzenverbänden vertreten.
Den höchsten Vertretungsgrad unter den Verbänden, die an der Deutschen Islam Konferenz teilnehmen, erzielt die DİTİB, von der sich 16 Prozent aller Muslime in Deutschland vertreten fühlen. Berücksichtigt man nur Muslime mit türkischem Migrationshintergrund sind es 23 Prozent. Unter allen türkischstämmigen Sunniten sind es 28 Prozent, die bejahen, dass sie sich von der DİTİB vertreten fühlen.

Auch die Alevitische Gemeinde erreicht einen vergleichsweise hohen Vertretungsgrad, sofern man die eigentliche Zielgruppe berücksichtigt. 19 Prozent der Aleviten bejahen, dass sie sich von der Alevitischen Gemeinde vertreten fühlen.

Vom VIKZ fühlt sich jeder zehnte Muslim aus der Türkei vertreten.

Lediglich 2 Prozent der insgesamt befragten Muslime fühlen sich vom Koordinationssrat der Muslime in religiösen Fragen vertreten.

II.3. Ethnische Zusammensetzung

Knapp 2,5 bis 2,7 Millionen der in Deutschland lebenden Muslime (rund 63 Prozent) haben türkische Wurzeln.

Aus den südosteuropäischen Ländern Bosnien, Bulgarien und Albanien stammen zwischen 496.000 und 606.000 Personen (rund 14 Prozent).

Die drittgrößte muslimische Bevölkerungsgruppe in Deutschland sind mit 292.000 bis 370.000 (rund 8 Prozent) Migranten aus dem Nahen Osten.

Aus Nordafrika kommen zwischen 259.000 und 302.000 der in Deutschland lebenden Muslime (ca. 7 Prozent), die Mehrzahl davon aus Marokko. Der Rest stammt aus Zentralasien/GUS, Iran, Süd-/Südostasien und dem sonstigen Afrika (insgesamt rund 8 Prozent).

II.4. Regionale Verteilung

98 Prozent der Muslime in Deutschland leben in den alten Bundesländern einschließlich Ostberlin. Über die alten Bundesländer hinweg sind die Muslime räumlich unterschiedlich stark verteilt.

Der höchste Anteil ist in dem bevölkerungsreichen Bundesland Nordrhein-Westfalen zu finden. Jeder dritte Muslim in Deutschland ist dort ansässig.
Es folgen Baden-Württemberg, Bayern und Hessen mit Anteilswerten von über 10 Prozent. In den verbleibenden zumeist kleineren sieben alten Bundesländern leben rund 25 Prozent der Muslime.

II.5. Konfliktfall Kopftuch

Als Grund für das Tragen des Kopftuches wird von fast allen Frauen angegeben, dies aus religiöser Pflicht zu tun. Insgesamt werden von den Frauen häufiger Gründe genannt, die eine Eigenmotivation erkennen lassen. 12 Prozent der Frauen geben außerdem an, dass Erwartungen bzw. Forderungen von Seiten der Familie, des Partners oder der Umwelt eine Rolle spielen. Ein wichtiges Motiv ist die Vermeidung von Unsicherheit: 43 Prozent geben an, dass das Kopftuch Sicherheit vermittelt, und 15 Prozent tragen es als Schutz vor Belästigungen von Männern.

Zwischen dem Alter und dem Anteil der Frauen, die ein Kopftuch tragen, besteht ein deutlicher Zusammenhang. Zudem nimmt in der zweiten Generation die Häufigkeit des Kopftuchtragens signifikant ab. Der Anteil der Angehörigen der zweiten Generation, die immer ein Kopftuch tragen, ist um 7 Prozentpunkte niedriger als bei den Frauen der ersten Generation. Jedoch steigt der Anteil derjenigen, die manchmal ein Kopftuch tragen, auf 12 Prozent. In beiden Gruppen tragen ca. 70 Prozent nie ein Kopftuch.

II.6. Religiösität

Die Mehrheit der Muslime ist gläubig.
36 ( 42,9) Prozent schätzen sich selbst als stark gläubig ein.
50 (47,9) Prozent geben an, eher gläubig zu sein.

Religiosität ist insbesondere bei türkischstämmigen Muslimen und Muslimen afrikanischer Herkunft ausgeprägt. Dagegen ist sie bei iranischstämmigen Muslimen, fast ausschließlich Schiiten, eher gering: Nur 10 Prozent sehen sich als sehr stark gläubig, aber etwa ein Drittel als gar nicht gläubig.
Muslimische Frauen sind in fast allen Herkunftsgruppen tendenziell gläubiger als Männer.


Dr. Beate Sträter, März 2012, aktualisiert Juni 2012
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